Queer an der Havel
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Meni - Stammtischmitglied berichtet Ihre Eindrücke
(Redaktion Tobias) online gestellt: 22. August 2009 13:30 Uhr

Nun, ich glaube, meine Geschichte entwickelt sich ein wenig anders, als gewöhnlich, denn mein „Eintritt in die Szene“ bedeutete keineswegs die Auseinandersetzung mit dem eigenen Coming – Out, sondern die Akzeptanz einer „ganz anderen Welt“.
Es ergab sich vor vielen Monden nachts am 31. März 2006 als sich mein langjähriger bester Freund mittels eines Briefes an mich nach 10 Jahren und etlichen heterosexuellen Beziehungen bei mir outete.
Sofort gingen etliche Schubfächer auf, auf denen Vorurteile dick gedruckt standen, mit denen man sich mehr oder weniger durch Medien und Gesellschaft von einem Moment zum anderen konfrontiert sieht.
„Alle Schwulen sind Tunten!“
 „Schwule treibens mit jedem und überall!“
„Schwule sind pervers!“
„Schwule haben ein `gebrochenes` Handgelenk!“
Aber so kannte ich ihn ja nun einmal 10 Jahre lang nicht. Also, was ist denn an diesen Vorurteilen überhaupt dran? Was kommt denn nun wirklich alles auf mich zu? 
Ich muss zu geben, mir kamen mehr Zweifel und Fragen in den Kopf, als ich nach außen vielleicht ausgedrückt habe, aber eines stand für mich sofort fest:
„Mein bester Freund bleibt mein bester Freund, ob nun schwul oder hetero !“
Wenige Tage später traf ich dann auf die Menschen, die nun eine komplett neue Spezies für mich ausmachten. In mein Leben traten einerseits schwule Männer, aber viel mehr interessante und individuelle Persönlichkeiten, ungeachtet ihrer sexuellen Vorlieben und Neigungen. 
So konnte ich also mehr und mehr mit meinen Schubladen im Kopf aufräumen, sortieren und insbesondere Vorurteile bestätigen und auch abbauen. Ich bin allen Situationen  sehr offen entgegengetreten, wollte für mich selber ausprobieren, ob ich in Gesellschaft derer, die in meinem Leben bislang keinerlei Rolle gespielt haben, klar komme oder ob ich einen so schlechten Eindruck gelange, dass ich doch homophob zurückblicken muss.
Heute, nach mehr als 3 Jahren bleibt nur zu sagen, dass ich denke, dass ich mich glücklich schätzen darf, von Beginn an die Richtigen getroffen und kennen gelernt haben zu dürfen. Es gibt, wie in der schönen coolen Heterowelt schwarze Schafe,…. Es gibt einen Menge Vorurteile über Schwule, die sinnfrei sind, aber eben auch viele, die nicht von ungefähr stammen. Aber sind wir mal ehrlich, hetero-sexuelle Männer rülpsen und furzen auch alle am Essentisch und alle Afrikaner haben einen überdimensional großen Penis…
Letztendlich muss jeder selber entscheiden, ob er sein Leben und sein Umfeld mit Schubladendenken begegnet und entgegen tritt.
Ich habe nach 27 Lebensjahren einen Einblick bekommen dürfen, dem ich sehr skeptisch gegenüber stand. Ich musste mich viel mit mir selbst und knutschenden Männern auf meiner Couch auseinandersetzen. Erfahrungen im Leben, ob positive oder negative, macht jeder einzelne, aber auch jeder einzelne entwickelt sich gerade durch diese Erfahrungen ein klein wenig weiter in der eigenen Persönlichkeit .
 Ich für meinen Teil, bin dankbar für diese BEREICHERUNG in meinem Leben. Ich mag euch in meinem Leben nicht mehr missen.





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